Welche Story erzähle ich eigentlich über mich?

Dieses Bild wurde bei meinem Maturaball gemacht. Ich bin da 18. Und jemand, über den ich andere Dinge erzählt habe als ich sie heute über mich erzähle. "Storytelling" wird bei uns stark mit Marketing in Verbindung gebracht - dabei hat es auch in der Persönlichkeitsentwicklung enorme Kraft.




“Wer war ich mit 18. Was hab ich über mich erzählt. Und wer bin ich heute? Wo zucke ich zusammen, wenn jemand anderer mich beschreibt und wo fühle ich mich erkannt?"

Es ist ganz normal, dass man sich beschreibt. Oder von Menschen in seiner Umgebung beschrieben wird. Dass man Geschichten über sich selbst erzählt, über andere und dass viel über einen selbst erzählt wird. Welche Kraft diese Geschichten haben, ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich für ein Jahr nach Hamburg ging.


Da war nämlich niemand, der schon Geschichten über diese Ursula gehört hatte, da war niemand, der schon wusste wie sie so ist, was sie ausmacht. Keine Geschichten, keine Zuschreibungen, da war quasi ein völlig leeres Blatt . Und ich war neugierig es neu zu füllen, war neugierig herauszufinden, was auf Satzanfänge wie "Ich bin ..." jetzt folgen würde.


Es folgten neue Dinge. Und es folgten auch bekannte Dinge. Es war wahnsinnig wertvoll, zu hinterfragen und herauszufinden, was von meiner Geschichte nach wie vor zu mir passte und was nicht (mehr). Zu hinterfragen, ob diese Person, über die dieses oder jenes gesagt wird, auch wirklich so ist und noch spannender: ob ich diese Person auch sein wollte. "Ich bin ..." ist ein sehr mächtiger Satzanfang.


"Ich bin ..." hat eine enorme Kraft. Sätze, die so anfangen, wirken sich aus. Unabhängig davon, ob wir damit Charaktereigenschaften beschreiben oder unseren momentanen Gemütszustand. Sie können stressen und uns klein machen ("Ich bin nicht schlau genug") oder stärken ("Ich bin humorvoll"), sie können uns Orientierung geben ("Ich bin freiheitsliebend") und helfen, gesunde Grenzen zu setzen ("Ich bin auch gerne mal alleine"); Sätze, die mit "Ich bin ..." anfangen, können unser Leben und Berufsleben massiv beeinflussen ("Ich bin nicht für die große Karriere geeignet", "Ich bin gern rücksichtsvoll").


Ich bin froh, angefangen zu haben, diese Sätze zu hinterfragen. Vielleicht wäre ich sonst nicht in eine Führungsposition gegangen. Vielleicht hätte ich mich sonst nicht selbstständig gemacht. Vielleicht hätte ich sonst die ein oder andere Entscheidung so nicht getroffen.


Und du? Wer bist du? Gibt es Sätze, die nicht mehr in deine Geschichte passen? Sätze, die dir nicht mehr entsprechen oder dir noch nie entsprochen haben? Sortiere sie aus. Schau genau hin, wer du bist und wer du sein willst. Du hast jederzeit die Möglichkeit, deine Geschichte umzuschreiben.

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